Das alte Jahr geht, das neue steht vor der Tür.
„Happy New Year“, rufen sich alle zu. Möge es ein gutes werden, hoffen sie.
Über dem Land liegt dichter Nebel, die Temperaturen sinken. Die feuchte Kälte kriecht bis tief in die Knochen. Wie an jedem Tag läuft die Versorgung im Refugium weiter – Tiere wollen gefüttert, versorgt, gepflegt werden. Routine, Verantwortung, Hingabe.
Plötzlich taucht aus dem Nebel ein Auto vor dem Tor des Refugiums auf. Ein Mann steigt aus, winkt Alessandra hektisch zu sich und redet nervös auf sie ein. Sie soll mitkommen. Alessandro kommt dazu.
„Komm mit“, sagt er, „ich habe einen Sack gefunden, aus dem es wimmert.“
Also ab ins Auto und hinterher.
Was sie vorfinden, ist herzzerreißend.
Da liegt tatsächlich ein zugeschnürter Sack. Aus ihm kommt ein ganz zartes Wimmern. Vielleicht Kätzchen? Schnell öffnet Alessandro den Sack.
Was sich offenbart, ist mehr als grausam:
Fleischreste. Schnecken. Und dazwischen – ganz frisch geboren – 5 winzige Welpen. Eiskalt.
Schnell eine Schachtel. Ein wenig Stroh. Die kleinen Würmchen vorsichtig hineinlegen. Leben sie noch?
Ja. Da ist Leben!
So schnell es geht, nach Hause, in die Wärme. Zum Glück sind Ella und Flu gerade zu Besuch. Connie bringt aus dem Lager eine Box mit warmen Decken. Bettflaschen werden gefüllt, Welpenmilch gewärmt.
Die Winzlinge sind eiskalt. Zuerst müssen sie gewärmt werden. Jeder nimmt sich ein Welplein und hält es an seinen Körper. Haut an Haut. Wärme teilen. Hoffnung geben. Die Sorge ist groß – sogar der Urin ist eiskalt. Sie sind kaum zwei, vielleicht drei Tage alt.
Langsam beginnen sich die kleinen Körper zu erwärmen. Zum ersten Mal bekommen sie Milch – nicht von der Mutter, wie es sein sollte, sondern aus fremden Händen.
Wo ist die Mama? Wer tut so etwas?
Sie trinken wenig. Aber sie trinken.
Werden sie es schaffen?
Die Nacht ist lang. Die Angst um die winzigen Schützlinge wiegt
schwer. Die Erkenntnis, dass Menschen fähig sind, solch kleine Lebewesen lebendig zu entsorgen, hängt wie ein dunkler Schatten über den Seelen aller.
Ale und Ale verbringen die Nacht mit Wärmen, Füttern, Massieren und Bangen – im Wissen, dass am Morgen auch im Refugium wieder Tiere auf ihre Pflege warten.
Früh am Morgen fahren sie mit den Welpen und mit Yuki, der Schmerzen zeigt, zur Tierärztin. Zum Glück: Alle sind wohlauf. Ohne das Eingreifen des Hilfsvereins wäre es das sichere Ende der Welpen gewesen. Die Rettung ist gelungen.
Doch sie ist erst der Anfang.
Alle zwei Stunden brauchen die Winzlinge ihre Milch, Bauchmassagen, Reinigung, Körperkontakt. Gleichzeitig wartet die tägliche, strenge Arbeit im Refugium. Der Umbau wird stillgelegt. Prioritäten.
Und auch die finanziellen Sorgen wiegen schwer: Fast eine Packung Welpenmilch pro Tag, dazu Zusätze gegen Blähungen, Schoppenflaschen, Decken, Tierarztkosten.
Es ist ein Jahresanfang voller Kälte – und doch auch voller Wärme.
Voller Grausamkeit – und gleichzeitig voller Menschlichkeit. Voller Angst – und getragen von Hoffnung.
Denn sie leben. Und jemand hat hingesehen.
Ja – die Nächte sind lang. Und Müdigkeit zeichnet die Gesichter von Ale Ale, so wie es sich gehört für frischgebackene Eltern.
Augenringe wie leise Schatten, Hände, die automatisch greifen, wärmen, halten.
Kein Wecker, sondern zartes Wimmern alle zwei Stunden.
Kein Schlaf, der tief ist – nur Dösen zwischen Verantwortung und Hoffnung.
Und doch liegt in dieser Müdigkeit etwas Zärtliches.
Eine stille Würde. Denn sie ist der Preis dafür, dass Leben geblieben ist. Eine Aufgabe, die größer ist als Erschöpfung.
Sie klagen nicht. Sie machen weiter. So, wie es die kleinen Körper verlangen.
Und irgendwo zwischen Milchflasche, warmen Decken und dem ersten zaghaften Schlucken, wächst etwas, das stärker ist als Müdigkeit:
Bindung. Schutz. Liebe, die nicht geplant war – aber da ist, ganz selbstverständlich.
So beginnt dieses Jahr nicht mit Feuerwerk, sondern mit Augenringen, kalten Fingern, warmen Herzen und dem leisen Versprechen:
Ihr seid nicht allein.
geschrieben von Connie
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